Donnerstag, 24. Oktober 2013

Amann Karthager 3. Einheit

10.11.2009

Die Vorlesung am 17.11. findet wegen einer Feier nicht im Hörsaal 34, sondern im Hörsaal des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung statt. Dieser ist folgendermaßen zu erreichen: UB-Eingänge -> früherer Standort der Getränkeautomaten -> Stiegenhaus zur Reichsratsstraße, es werden Aushänge gemacht. ACHTUNG: Es wird deutlich weniger Plätze geben, daher überpünktlich kommen

Dr. Amann teilt Kopien aus, auf deren einer Seite sich eine Literaturliste, auf der anderen die Übersetzung des Periplus des Hanno, Text anbei (ohne Karte)
Der Fahrtenbericht des Hanno
Quelle: C. Plinius Secundus d. Ä, Naturkunde, Buch V, Reihe Tusculum, München 1993, S. 337 ff (Karl Bayer)

Aus Angst, gegen das Urheberrecht zu verstoßen, drucke ich den Text nicht ab. 
Wenn jemand nicht an ein Handout kommt:
Das Buch ist aber in der UB Wien entlehnbar und ein weiteres Examplar im Lesesaal zu benutzen, in der FB Klassische Archäologie gibt es auch eines. Im Katalog nicht verzeichnet ist die FB Alte Geschichte, die aber meines Wissens eines hat und die FB Klassische Philologie müßte auch eines besitzen. Der Text ist aber auch griechisch, deutsch und englisch zu ergoogeln.

 
Die Bibliographie (auf der Rückseite des Handouts ist nur zum Nachsehen bzw. die am Thema Interessierten. Für die Prüfung gilt der durchgenommene Stoff. Zusätzlich zu diesem Skriptum ist daher keine weitere Lektüre mehr erforderlich.

KOMMENTAR ZUR BIBLIOGRAPHIE

Auswahl aus der einführenden Literatur

Moscati, Fenici: gibt es in Englisch und Italienisch

Archäologie in Sardinien: sehr viel getan.

Meltzer-Kahrstedt: KLASSIKER!!!!!!!!!!!!!!!!!!
In großen Zügen noch aktuell (Antike Autoren), archäologisch naturgemäß veraltet

Huß, Handbuch der Altertumswissenschaften (HAW) 1985 KLASSIKER!!!!!!!!!!!

Huß, Die Karthager 2. Auflage, Zusammenfassung des HAW, im wesentlichen dasselbe, ohne Fußnoten, aktualisiert

Huß, Beck - Taschenbuch

Hannibal ad portas, keine Hannibal- sondern eine große Karthago-Ausstellung, EMPFEHLENSWERT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Lazenby-Bücher KLASSIKER!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Hannibal-Werke: unüberschaubar (v. a. deutsch, englisch, französisch), die Werke haben ihre jeweiligen Stärken und Schwächen

Niemeyer wie Rakob Grabungsleiter in Karthago

Elliger, Ausblick auf die römische Geschichte

Karthago wurde nach der Neugründung eine der bedeutendsten Städte des Römischen Reiches und Nordafrikas, die Vorlesung endet jedoch mit dem Ende der Karthager 146 v. Chr.



 FRÜHZEIT KARTHAGOS

Quellenlage im 9/8/7 Jahrhundert schlecht, dürftig
Literarisch: Gründungssagen um Elissa
Epigraphisch: wenige Inschriften
Archäologisch: Erkenntnisse Basis der Erkenntnisse
Erkenntnisse: hierarchische Struktur, stabil, adelige Oberschicht, Karthago Teil des Mittelmeer-Handelsnetzes

7. Jahrhundert: urbane Organisation

Verbindung zur Mutterstadt Tyros:
In der Regel sind die Kolonien der Gründermetropole zumindest anfänglich verwaltungstechnisch und politisch untergeordnet
Gegensatz griechische Kolonien: von Anfang an politisch autonom, auch keine Abgaben, nicht folgepflichtig, jedoch kulturelle und kultische Bindungen

Inschrift in Zypern: Statthalter einer unbekannten Stadt auf einer Inschrift „Sklave des Königs Hiram dem Sidonier genannt“, dies belegt die politische Unterordnung

Auch Abgabenpflicht gegenüber der Gründerstadt

Die Gründerstadt stellt Herrschaftsansprüche auch gegenüber den Kolonien einer Stadt

Die Kolonien versuchen sich dem Einfluss zu entziehen, dies ist leichter im Falle der Unterwerfung der Metropole

Karthago von Tyros abhängig, einmal im Jahr wird eine Gesandtschaft nach Tyros gesendet (Pflicht), es ist Tribut zu zahlen, was als Gabenpflicht an den Melqart/Heraklestempel bezeichnet wurde, die Höhe betrug ursprünglich 10 % der Staatsausgaben)

Diese Abgaben (Zehent) war für die Mutterstädte sehr wichtig für die eigenen Tribute an die Fremdherrscher (Assyrer…)

Die Verbindung wurde auch im Falle Karthagos immer schwächer (Aufstieg Karthagos, Schwächung von Tyros, das im 6. Jahrhundert babylonisch und 540 persisch wurde), Karthago lockert die Verbindung, leistet vielleicht keine Tribute mehr, vielleicht besteht noch eine religiöse Bindung, die wirtschaftliche fällt sicher weg

Karthago nimmt eine politische und kulturelle Eigenentwicklung, spätestens jetzt ist es berechtigt, von Karthagern und Puniern im Gegensatz zu anderen Westphöniziern zu sprechen.

Punier ist die eingedeutschte Version von lateinisch Poenus, die Bezeichnung für die phönikischen Einwohner Nordafrikas

Eigenständige Entwicklung seit dem 7. Jahrhundert, ebenfalls eigenständig, die Bevölkerungsvermischung mit den einheimischen Libyern, was den Karthagern eine eigenständige Note verleiht (auf vielen Inschriften libysche Namen), auch die Schriftsteller bestätigen eine Vermischung

Die Sprache ist Punisch, sprachhistorisch ab dem 5. Jahrhundert, so weit hat sich damals Karthago von Tyros weg entwickelt, lautliche Sonderentwicklung, eigener Zweig des Phönikischen

Zeit der Stabilisierung und Konsolidierung des Stadtstaates Karthago

Stabilisierung der kommerziellen Beziehungen (Etrurien), offenbar weniger intensiv seither zu den Griechen, in Gräbern Hinweise im 8. Jahrhundert, stärker als im 7.

EXPANSION

6. Jahrhundert Zeit der Expansion vor allem im Handel, vor allem militärische Absicherung

Weiter gespanntes Handelsnetz

Ermöglicht durch:
karthagische Neugründungen
wichtiger: Kontrolle über die anderen westphönikischen Kolonien

langsamer und stetiger Prozess

Auch bei den Römern sind die Gründe für die Expansion schwer fassbar

Ausgeprägte Expansion Bestreben der Oberschicht (Handelsinteresse)

Schwächung des phönikischen Mutterlandes, Krise

Im 6. Jahrhundert Unterstützung der Kolonien übernommen (Mutterland babylonisch bzw. persisch)

Karthago ist im 6./5 Jahrhundert aufgetreten, wird zur Verteidigung der militärischen Interessen gezwungen zur Erhaltung

Quellen zur Expansion spärlich:

Eine der ältesten Balearen v. a. Íbiza (Diod. Sic, 5, 16, 2f) zurück gehend wahrscheinlich auf Timaios von Tauromenion: Stadt Ébesos von Karthago gegründet 160 Jahre nach der Gründung Karthagos (814 – 160 =) 654, archäologisch bestätigt: ab Mitte des 7. Jahrhunderts östlich der Stadt Ibiza, ob es sich um eine phönikische oder karthagische Gründung handelt, ist jedoch nicht beweisbar
Ebesos bedeutet auf deutsch Insel des ägyptischen Gottes Bes

6. Jahrhundert: Karthago expandiert in größerem Ausmaß

Sizilien und Sardinien liegen sehr nahe bei Karthago

Westphönikische Siedlungen kommen unter karthagische Kontrolle

In Sizilien werden die Phöniker von den griechischen Kolonisten nach Westsizilien gedrängt

Versuche der Griechen, auch in Westsizilien um 580 die Karthager bei Lilybaeum eine Kolonie zu gründen (Knidos und Rhodos), es kommt zum Krieg, die Phöniker und Einheimischen vertreiben die Griechen

580 noch kein Karthago erwähnt (Mozia, Panórmos, Solúnt die drei großen phönikischen Siedlungen), die Phöniker auf Sizilien schafften es noch alleine gemeinsam mit den einheimischen Elýmern (eher prophönikisch/karthagisch als progriechisch)

Griechische Städte Selinúnt, Akragas Mitte des 6. Jahrhunderts
Jetzt rufen die phönikischen Siedler auf Sizilien Karthago zu Hilfe.

1. namentlich bekannte Gestalt der karthagischen Geschichte General Malchus mit Heer landet in Sizilien, schlägt die Griechen kurzzeitig (Karthager und Griechen in Sizilien ständig Konflikte)

Spätestens Mitte 6. Jahrhundert: Karthago übernimmt die Kontrolle auch militärisch, hat die Stärke, sich durchzusetzen

Sardinien: anscheinend gegen die Sarden, Griechen spielten dort nie eine Rolle, westphönizische Städte expansiv ins Landesinnere, wollten Eisen- und Kupferbergwerke, die Einheimischen waren dagegen
Thárros wichtige alte Kolonie
Monte Siraí im Hinterland militärischer phönikischer Stützpunkt
Súlci Stützpunkt
Antas
Bítia
Nóra
Cagliari
Karthago schickt Malchus als Hilfe, im Gegensatz zu Sizilien wird er von den Sarden vernichtend geschlagen, darauf werden er und der Rest der Soldaten lebenslänglich aus der Stadt Karthago verbannt, dies hat Malchus nicht akzeptiert
Sardinien geschlossen ab der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts karthagisch
Sardinien zur Gänze unter der karthagischen Herrschaft ist übertrieben, jedoch seit damals karthagische Oberhoheit über die Zentren

Spanien ähnlich wie Sardinien
Es geht um Gadir/Cadiz
Mit den Iberern Streit aus wirtschaftlichen Gründen (Abbaugründe laut Iustinus)
Phöniker suchen bei Karthagern um Hilfe an, das ein Heer nach Südspanien schickt, um dort Fuß zu fassen, Karthager bleiben ab Ende des 6. Jahrhunderts dauerhaft in Süd-Spanien
Schutzmacht der iberischen Phöniker
Karthago gewährt Schutz gegen Oberherrschaft

Atlantische Küste(ngruppen)

Azóren weit im Atlantik, 1500 Kilometer von Afrika entfernt, offenbar karthagisches Einflussgebiet, karthagische Münzen aus dem 3/2. Jahrhundert

Sicher: Madeira, Kanaren, nahe am Festland

Fruchtbar, von den Phönikern entdeckt und besiedelt (mehrere antike Stellen)
Gesamter Bereich ab dem 5./4. Jahrhundert unter karthagische Oberherrschaft

Nordafrikanische Geschichte, Golf von Tunis, dort Karthago selbst
Küste ab dem 6. Jahrhundert Reihe von Kolonien, es handelt sich um Projekte der Karthager ausgehend bzw. Übernahme, wenige Quellen, viele Ortsnamen enthalten
Qart  Stadt
Raš Kap
Tunesien und Algerien
Durch Ausgrabungen bessere Kenntnisse, jedoch keine durchgehende Besiedlung im
m Sinne eines durchgehenden Herrschaftsbereiches, sondern Enklaven, komplettes flächendeckendes Herrschaftsgebiet in Tunesien, eventuell Ostalgerien

Richtung Libyen, Große Syrte: Strömungen
Keine alte phönikische Kolonie

Auf den Meer nach der Kyrenaika
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 Sinne eines durchgehenden Herrschaftsbereiches, sondern Enklaven, komplettes flächendeckendes Herrschaftsgebiet in Tunesien, eventuell Ostalgerien

Richtung Libyen, Große Syrte: Strömungen
Keine alte phönikische Kolonie

Auf den Meer nach der Kyrenaika
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ús konnte in Sparta als Zweitgeborener nicht König werden, suchte Land im Westen von Tripolis/Oea
Die Kolonie soll die einheimischen libyschen Máken sehr gestört haben, die Karthago um Hilfe rufen, es kommt zu längeren Kämpfen, im zweiten Jahr wurde di潬楮
e Kolonie von den Griechen aufgegeben und geräumt. Dies bedeutete das Ende der griechischen Expansion in Nordafrika (karthagischer Bereich)

Karthago setzt sich selbst an der libyschen Küste fest, in Leptis Magna im 6/5. Jahrhundert
Ausdehnung des karthagischen Imperiums bis Libyen im Osten

Marokko: 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts echte karthagische Kolonisation
Küsten am Mittelmeer und am Atlantik
Durchfahrt Mittelmeer-Atlantik soll von Spanien und Marokko aus gesichert werden
Einheimische Berber wahrscheinlich einverstanden (reger Tausch, Kolonien hätten gegen ihren Willen nicht gegründet werden dürfen)
alte phönikische Kolonien übernommen
Líxus westlich der Säulen des Herakles, in der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts punisiert

Südliches Marokko: Überlieferung erhalten, Hanno segelte die westafrikanische Küste wahrscheinlich bis Gabún, Erkundung des Bereiches
Phöniker bereits Vorstellungen von Afrika (Nécho)
Hanno segelte in umgekehrter Richtung
Karthago-Nordafrika-Säulen des Herakles-marokkanische Küste-westafrikanische Küste
Reisebericht in griechischer Sprache in 3 griechischen Handschriften aus dem Mittelalter von alten Quellen abgeschrieben, älteste aus dem 9. Jahrhundert, heute UB Heidelberg, dort einzusehen, Basis für den Handout Text, der auch in diesem Skriptum wiedergegeben wird.
Ein weiterer in London, ein dritter in Paris, beide wahrscheinlich jünger, im wesentlichen der gleiche Text.
Basis war ein griechischer Text um 400 v. Chr, der Übersetzung eines punischen Textes war, freie griechische Übersetzung eines punischen Tatenberichtes auf einer Inschrift des Baal-Hammon/Herakles-Tempels in Karthago, wahrscheinlich als Weihegabe aufgrund der glücklichen Reise gestiftet
Die Antike kannte mehrere Übersetzungen, die zum Teil gekürzt ist, wie auch die erhaltene Vorlage
Griechischer Name: Periplus „Umsegelung, Küstenfahrt“ mit Schiff entlang der Küste
Küstenerkundung und Kolonisationsunternehmen, Name hier ungenau
Übersetzung im Band Plinius naturalis historia, Band V (Afrika und Asien)
In moderner Literatur teilweise als Fälschung angesehen aufgrund der nautischen Angaben
Heute als höchstwahrscheinlich authentisch angesehen, aus dem späten 6. oder frühen 5. Jahrhundert, vor 500 wäre eine derartige Fahrt durchaus möglich, da damals die Zeit der Expansion in Nordafrika war
Es gab viele Hannos in der karthagischen Geschichte, ca. 1/3 der bei den antiken Autoren genannten Karthager hießen Hanno
Expedition suchte neue Wege für den Handel, Erkundung wissenschaftliches und wirtschaftliches Interesse
In Nigeria Gold, Kupfer, Zinn, vielleicht Elfenbein, Edelhölzer, würden neue Ressourcen bilden
Identifizierung der einzelnen Stationen schwierig, es gibt meist verschiedene Möglichkeiten
Expedition bis in den Golf von Guinea
Suffét: karthagischer Oberbeamter, im griechischen Text
bῂ̍Bedeutet auf griechisch
Bedeutet auf griechisch „König“, beinhaltete wahrscheinlich auch den
militärischen Oberbefehl
wahrscheinlich mehr als ein Expeditionsleiter
Libyer: in der Antike Afrika westlich von Ägypten
Karthager: Hier: Kollegialorgan der Karthager
30.000 zuminndest sehr umstritten, die meisten Forscher meinen, dass
diese Zahl zu hoch ist
für 60 Schiffe zu viel, auch bei dichtem Gedränge, alleine 3000 Rudersklaven erforderlich
wahrscheinlich wurde die phönikische Zahl falsch übertragen
wahrscheinlich 5.000 – 5.500 Siedler, sicher ist, dass die anzusetzende Mindestzahl sehr hoch ist
für Kolonie realistisch
Rom entsandte für eine latinische Kolonie 2.500 Personen
Thýmiaterion: heute nicht für Tanger gehalten, sondern Medinia?
Poseidon: Interpretatio graeca für Baal-Ras, Heiligtum angelegt
Kárikon…Arambýs auch in anderen Quellen, z. B. bei Herodot, genaue Lage unbekannt
Lixiten: einheimischer Berberstamm, nicht mit der Stadt Líxos zu verwechseln, sondern Fluss Lixos, wahrscheinlich Wadi Draa, dort siedelten Lixiten
Aithiópen: Schwarzafrikaner im Gegensatz zu Libyern
Troglodyten: wahrscheinlich ein Stamm, der schnell im Laufen war
Kerne: Lokalisation: südlichste phönikisch-karthagische Kolonie
Bucht von Rio de Oro: Insel Herne, jedoch viel größer
Bucht von Arguin: viele kleine Inseln
Chremetes: Senegal, im Mündungsgebiet viele Inseln
Bevölkerung nicht sehr entwickelt, wollen daher keinen Kontakt mit
den Karthagern
Ausflug ins Delta des Senegal
Wirkliche Erkundung: Strecke von Kerne nach Süden
Karthago interessiert an Handel mit Edelhölzern
Weite Meeresfläche wohl Golf von Guinea
Brand: am ehesten Brandrodungen durch die Einheimischen
Jetzt in der westafrikanischen Brandzone
Seher immer mitgeführt

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Prof. Amann Die Karthager 2. Sitzung 3.11.2009


3. 11.2009

ANFÄNGE KARTHAGOS

Laut der antiken Überlieferung beginnt die Geschichte Karthagos im 12. Jahrhundert v. Chr.

Prokoloniale Phase (Händler, Erkundungen), günstigste Plätze gesucht. Kontore…)

9. Jahrhundert v. Chr. Kolonisation

Mógador, Marokko, Insel, archäologisch erwiesen

Golf von Tunis:
Auch in der Antike klimatisch begünstigt
Landwirtschaftszone
Extrem gut gelegen, zentrales Mittelmeer zu erschließen (Sizilien, Sardinien, Etruskisches Mittelitalien)

1.Kolonie Utica
Westseite des Golfes auf einer Landzunge, heute verlandet, von Tyros aus gegründet laut der antiken Überlieferung, sehr alt, angeblich wie Gadír gegründet um 1100 v. Chr.

Herodot?, Historien, 16. 216?

Memorabilia auscult. des Aristoteles 134

Älteste Funde im 7. Jahrhundert (Nekropole)

Siedlung nicht entdeckt

1100 vielleicht erste Erkundung, Kontor, einfache Holzhäuser

30 Kilometer Luftlinie südlich davon
KARTHAGO, gegründet spätes 9- oder frühes 8. Jahrhundert
Der Überlieferung nach von Tyros aus

qart    adášt
Stadt  neu

Griechisch Karchdwn (Betonung: Akut auf dem Omega)

Lateinisch Carthago

Name vielleicht über aramäische Vermittlung eines phönikischen Namens

Programmatischer Name, bewusst angelegte neue Kolonie

Mehrere Qart Hadashts in Sardinien, Spanien, Zypern&
Gründe für die Gründung nicht ganz klar, umso mehr, als es schon eine ältere phönikische Kolonie in der Nähe gegeben hat (Utica)

Utica grie. Itikh
Betonung auf der ersten Silbe

Keine Metallvorkommen in der Nähe

Nicht an einem F汵獳⁷楥
Fluss wie Utica gelegen



Vermutliche Gründe:
Gute verkehrstechnische Lage, Scharnier zwischen Ost- und Westmittelmeer
Sehr geschützte Lage für einen Hafen, Golf stark geschützt vor nordostafrikanischen Strömungen
Geeignet für phönikische Siedlung
Landzunge, Halbinsel d. h. möglichst vom Meer umschlossen

Kopien:
Kleiner Kartenausschnitt Karthago und Umgebung, antiker Küstenverlauf
Utica, Landesinneres heute

Karthago Halbinsel, im Norden von Lagune begrenzt, im Süden See von Tunis

Einziger Zugang im Westen durch Hügelkette gut geschützt

Karthago hatte guten Kontakt zu den einheimischen libyschen Völkern

Möglicher Grund für die Gründung: Handel mit den Libyern

Nordafrika sehr reich

Zeigt sich im Gründungsmythos

Das antike Karthago liegt an der Stelle des heutigen Carthage, des Villenvorortes nordöstlich von Tunis

Ausgrabungstechnisch:
Gegraben wird seit dem 19. Jahrhundert (Frankreich, Deutschland = auch Siedlung), Großbritannien, USA = Tóphet, Hafen)

Gründungsdatum

Verschiedene Überlieferungen (nicht erstaunlich, auch beim besser dokumentierten Rom verschiedene Daten, die über Jahrhunderte differieren).

Quellen: Ungefähr 25 antike Autoren

3 große Erzählstränge, die die meisten Autoren verwenden

1. Philístos von Syrakus, 5. Jahrhundert v. Chr.
Kurz vor dem trojanischen Krieg, da. 1215/1200, kein historisches Gewicht, Versuch, frühe Gründungen zu systematisieren und mit dem Trojanischen Krieg in Beziehung zu setzen.

Sizilien: Autoren naturgemäß großes Interesse wegen der Konfrontationen

Zwischen 2 und 3 gewisse Übereinstimmungen, benutzen Großteil der Quellen

2. Timaios von Tauromenion/Taormina, Sizilien (4./3. Jahrhundert)
38 Jahre vor den ersten Olympischen Spielen 776 v. Chr., typische griechische Jahresangabe
Und
Dionysios von Halikarnassos, 1,74,1?

3. Menándros von Éphesos, wahrscheinlich 2. Jahrhundert v. Chr., Stadtchronik von Tyros vom Phönikischen ins Griechische übersetzt, verwendet von Flavius Josephus für seine Werke im 1. Jahrhundert nach Christus, gegen Apion 1, 18
Karthago angeblich im 155. Jahr nach Beginn der Königsherrschaft in Tyros = im 7. Jahr des Königs Pygmalion = Quellen nicht einheitlich bei den Angaben der Regierungszeiten der Herrscher, wahrscheinlich 825/820
„Orientalischer Überlieferungsstrang“

In den Quellen: Karthago älter als Rom, wenige anderer Meinung (u. a. Cicero: patriotische Aussage), je älter eine Stadt in der Antike war, desto prestigeträchtiger war sie.

Interessant: Frauenfigur spielte eine zentrale Rolle: tyrische Prinzessin Elissa oder Dido (letzterer im wesentlichen von Vergil verwendet).

Der Name Elissa in älteren Quellen, echt phönikischer Name, gut beheimatet im phönikischen Onomastikon

Tochter eines tyrischen Königs Mútto, Bruder Pýgmalion, der nach dem Tod des Königs dessen Nachfolger wird, Elissa verheiratet mit Onkel Sychaeus

Öfters der nächste männliche Verwandte des Vaters geheiratet.

Der Onkel ist sehr reich

Pygmalion lässt seinen Schwager aus Neid ermorden.

Elissa ertrug den Zustand eine Zeitlang, später flieht sie, da Pygmalion ihr Erbe vom Ehemann haben will, über Zypern nach Nordfrika

Motiv des Reichtums, des reichen Phönikers

Politisch motivierte Auswanderung

Und sacra am Melqarttempels (sakrale Legitimation einer Kontinuität an einem neuen Ort)

Elissa kauft Land

Die Libyer sind freundlich, verkaufen Land, da sie am Handel mit den Phönikern interessiert sind.

An der ursprünglichen Stelle für die Anlage der Stadt findet sich ein Ochsenschädel (bedeutet Prosperität, jedoch spätere Versklavung), daher wurde ein anderer Ort für die Gründung gesucht, dort fand sich ein Pferdeschädel (besonders günstiges Omen, große Macht, kriegerisches Volk), an dieser Stelle erfolgte die Gründung Karthagos

Die Phöniker aus Utica erweisen Elissa Ehrerbietung und bringen Waren zum Tausch (auch bei den Einheimischen)

Der afrikanische Name der Elissa ist Deido/Dido, sie hat neuen Namen erhalten (die Herumirrende)

Menandros?

Längste bei Justinos, 3. Jahrhundert n. Chr., 18, 4 – 6 (Zusammenfassung von Pompeius Trogus,1. Jahrhundert/augusteische Zeit, Zusammenfassung eines Werkes über alle Völker, auf ein Sechstel des Umfangs gekürzt)

Strang von Vergil: Aeneas, Dido, augusteische Zeit (punisches Karthago längst zerstört, nicht mehr existent). Schilderung bezieht sich eher auf das römische Karthago, greift ältere Elemente auf, verknüpft Elissa mit Aeneas, dem Vorfahren, der Rom-Gründer zum ersten Mal, vorher war dies völlig unbekannt, ist reine dichterische Freiheit, beide wurden zu einem der größten tragischen Liebespaare
Grund gesucht für spätere Feindschaft zwischen Rom und KarthagoVerg. Aen. 1, 340ff. (von Dr. Amann vorgelesen aus der Reclamausgabe).
Vgl. mit der Justin-Stelle.
Aeneas an der karthagischen Küste gelandet
Gatte verschiedene Namen, u. a. Sychaeus
Pygmalion Herrscher, besonders verrucht
Byrsa: Haut des Stieres (Leser versteht Symbole)

Reich an verschiedenen Elementen
Phönikisches Element: Namen Pygmalion, Elissa, Tyros-Gründung, Stopp auf Zypern (Astartetempel, heilige Prostitution)
Karthagisches Element: Pferdeschädel (Pferdekopf Hauptzeichen karthagischer Münzen, Legende vom Pferdeschädel nachträglich ausgebaut)
Griechisches Element: Stierhaut (Überlieferung: Elissa kauft so viel Land für die Gründung Karthagos, wie man mit einer Stierhaut umfassen? Kann, schneidet es in ganz dünne Streifen, aneinandergereiht ca. 4000 m Durchmesser
Etymologie von byrsa: búrsa: Haut eines Stieres/Ochsen, Leder

Býrsa: Stadthügel von Karthago, Zentrum des hellenistischen und römischen Karthagos
Semitischer Name nicht deutbar
Tricks, mit denen Einheimischer hereingelegt werden mehrfach in der Literatur z. B. Odyssee, soll Überlegenheit der Kolonisatoren zeigen
Stetig angereichert
Vermutlich historischer Kern
Verweis auf das ältere Utica (schon vor der Gründung Karthagos existent)
Ort, der nicht im vorhinein geplant war, zum Verweilen geplant, von Utica Gründung vor Karthago überliefert

Tod auf dem Scheiterhaufen: Entsprechung zu Herakles, Entwicklung in höhere Sphären
Vergil 4. Gesang Aeneis, Trauer um die Abreise des Aeneas
Andere: Heirat mit libyschem Fürsten abgelehnt (Heirat oder Krieg)
Möglich: Elissa-Kult in Karthago

Archäologie:
Seit den deutschen Ausgrabungen 1983 sehr alte archäologische Siedlungsreste in Karthago gefunden, vor allem östlich und südlich der Byrsa
Ebene Zone, meernahe
Dahinter Hügelkette u. a. Byrsa
Älteste Siedlungen in der Ebene östlich der Byrsa, Hausgrundrisse, Steinbauten
Spätes 9. Jahrhundert: archäologisch nicht direkt belegt, aber wahrscheinlich, best. Anlagen aus Holz
Zentrum wahrscheinlich auch Byrsahügel selbst

Ausrichtung der Häuser: Regelmäßigkeiten, rechteckiges regelmäßiges Straßensystem = orthogonales („rechteckiges“) System, auch in Griechenland
Grabungsniveaus des 8. Jahrhunderts

Metallurgisch: Eisen

Purpurschnecken

Byrsa: wahrscheinlich erste Heiligtümer in der Art einer Akropolis (erhöhte Lage), gesamte Hügelgruppe von den Römern auf 56 m planiert und abgetragen im 2. Jahrhundert nach? Christus, Befund zerstört.
Möglich: älteste Siedlung

Frühes 8. Jahrhundert Siedlung in der Ebene (Legende: Ochsen- und Pferdeschädel)
Byrsa ungünstig

Nektropole des 7. Jahrhunderts
Byrsa 4./3. Jahrhundert Handwerkszone, Manufakturen
2. Jahrhundert (hellenistische Zeit) Wohnquartiere

Im Süden der Siedlung: Heiliger Opferbezirk
Tóphet (Opferbezirk)
Am Rande einer phönikischen/karthagischen Siedlung, zeigt maximale Südausdehnung der Stadt
Älteste Frequenz                                                   
3. Viertel des 8. Jahrhunderts (750 – 25)
In Tonurnen wahrscheinlich für Kinderbestattungen (siehe Urnen auf der Kopie)
Phönikisches Keramikmaterial
Einige reichere Funde, reiches Keramikmaterial, Schmuck (Ketten, ägyptische Amulette, Elfenbeinerzeugnisse…) weisen auf eine begüterte Oberschicht hin
Griechische Importe (Keramik aus Euböa in Mittelgriechenland, in der frühgriechischen Kolonisation sehr aktiv) zeigen Kontakte zu griechischen Händlern
1 Amphore mit typisch phönikischer Form, jedoch griechischer Dekoration: stilisierte Vögel, die auf Euböa hinweisen: lokale Werkstatt eines griechischen Handwerkers aus Euböa in Karthago, der arbeitete für eine phönikisch/karthagische Klientel in der Oberschicht, zeigt die frühe Attraktivität des Standortes Karthago für die griechischen Händler und Handwerker

Ähnlich Etrurien


Unbekannte Lage des archaischen Hafens (im Norden oder Süden?), früher Hafen keine monumentalen Strukturen, somit praktisch nicht archäologisch nachweisbar, monumentale Strukturen ab dem 5. Jahrhundert

Klassische Periode: in Karthago im Süden beim Tophet
Wahrscheinlich im 4. Jahrhundert neue Hafenbecken (Handels- und Kriegshafen)
Karthago berühmt für seine 2 Häfen
Runder Kriegshafen im Norden, rechteckiger Handelshafen im Süden durch die US-Grabungen nachgewiesen

Nekropole:
Bessere Informationen
Auf den Hügelhängen hinter der Stadt (Byrsa, Iunohügel, Douimes)
Iunohügel: Bezeichnung erst seit dem 19. Jahrhundert, keine wissenschaftliche Bedeutung des Namens
Nekropole Evidenzen nach dem 7. Jahrhundert relativ stark zunehmend vor allem im Norden
Reiche Gräber (jetzt spätestens aristokratische Oberschicht)
Douimes-Norden eine der großen archaischen Nekropolen
1100 Gräber freigelegt
Ende des 19. Jahrhunderts, schlecht dokumentiert
Besser ? Grab, 1894 entdeckt, Eingangstür, Grabkammer 2,5 x 1,5 Meter, Höhe 1,44 Meter, innen mit weißem Stuck ausgekleidet, Holzdecke, 2 Erdbestattungen, reicher Aristokrat mit seiner Frau, reichlich Essen und Trinken, korinthisches Gefäß aus der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts, Schmuck aus Silber, Gold und Halbedelsteinen, Goldanhänger oben rechts auf der Kopie mit einer phönikischen Inschrift
Aus Karthago Anfang des 7. Jahrhunderts
Passt gut
Kettenanhänger für den Mann
Interpretation umstritten, gut lesbar
Anrufung von Gottheiten (Astarte, Gott Pygmalion)
Yada´milk (Grabeigner, Mann), Sohn des…
Name bedeutet, dass es sich um einen wichtigen Mann handelt

Nekropole: Elfenbein, Fächer, Kannen, Straußeneiergefäße
Typisch für die orientalisierende Periode (Etrurien, Griechenland…)
Prestigeobjekte für die Oberschicht, vermittelt von den Phönikern aus dem Orient

Urne mit kurzer Grabinschrift zeitgleich mit Yada´milk 1. Hälfte 7. Jahrhundert

Nekropole auf der Byrsa: 100 Gräber bekannt
Hellenistische und römische Stadt
nur vereinzelte Sondagen möglich
wesentlich einfacher, nicht so schön ausgestattet (handwerkliche Mittelschicht)
alles ungefähr auf gleichem Niveau (typisch für städtische Mittelschicht)
Keramikbeilegen, nichts Teures
Einige wenige Brandbestattungen (eingewanderte Orientalen, wegen besonderer Fähigkeiten in Karthago integriert)
8./7. Jahrhundert Quellen eher schlecht
Fast nur Gründungsmythenliteratur
Wenige phönikische Inschriften

Archäologie:
7. Jahrhundert stabile Hierarchie
Bescheidene urbane Organisation

Nächste: 6. Jahrhundert